Hochsensibilität - (k)ein Modephänomen

Das Wichtigste vorab: Hochsensible Menschen (auch kurz "HSP" genannt für 'hochsensible Personen'*) sind nicht krank! Bei Hochsensibilität handelt es sich um ein Wesensmerkmal.  

 

Gelegentlich wird Hochsensibilität als ein "Modephänomen" abgetan, was einerseits  sicher darauf zurückzuführen ist, dass sich viele Menschen mit anderweitigen Auffälligkeiten den Begriff "hochsensibel" zu eigen machen und damit ihr Verhalten erklären.  Auch Erziehungsdefizite bei Kindern werden häufig mit deren vermeintlicher Hochsensibilität "entschuldigt". Andererseits ist Hochsensibilität inzwischen zu einem wirtschaftlich hochinteressanten Markt geworden und so gibt es inzwischen ein unüberschauberes Angebot an speziellen Beratungen und Coachings, die zum Teil in ihrer Seriosität grenzwertig sind. Viele dies.er Angebote sind schlicht nutzlos, manche sogar schädlich. Da Hochsensibilität ein ganz normaler Wesenszug ist (die Wissenschaft spricht von einer "wertneutralen Normvariante"), benötigen HSP keine speziellen Coachingangebote, sondern fachkundige Gesprächspartner. 

 

Neurowissenschaftlich gilt Hochsensibilität tatsächlich noch als relativ junges Forschungsgebiet, wobei in den letzten Jahren internationale Untersuchungen deutlich mehr Klarheit über die Besonderheiten dieses Wesensmerkmals gebracht haben. Inzwischen kann man mit einer hohen Sicherheit davon ausgehen, dass Hochsensibilität tatsächlich existiert und etwa 15 bis 20 Prozent aller Menschen auf diese Weise empfindsam sind.

 

Die Bandbreite möglicher Erscheinungsformen von Hochsensibilität ist groß. Praktisch jeder Sinneseindruck kann stärker und damit detaillierter wahrgenommen werden, häufig wird auch vom intensiveren Empfinden der Stimmungen anderer Menschen berichtet. Die Mehrzahl der hochsensiblen Personen ist introvertiert, es gibt aber auch ausgesprochen extrovertierte Hochsensible. 

 

Typische Merkmale von Hochsensibilität, die in unterschiedlicher Ausprägung auftreten:  

  • intensive Sinneswahrnehmung
  • ausgeprägte Fantasie
  • weitreichende Gedankengänge
  • erhöhte Schmerzempfindlichkeit
  • detailreiche Wahrnehmung
  • hohe Begeisterungsfähigkeit
  • sehr vielseitige Interessen
  • ausgeprägtes Langzeitgedächtnis
  • psychosoziale Feinwahrnehmung
  • stark beeinflussbar durch Stimmungen anderer Menschen
  • ausgeprägtes intuitives Denken
  • langer emotionaler „Nachklang“ des Erlebten
  • Denken in größeren Zusammenhängen
  • ausgeprägter Gerechtigkeitssinn
  • Harmoniebedürfnis
  • Gewissenhaftigkeit
  • Intensives Erleben von Kunst, Musik aber auch der Natur
  • Perfektionismus

Viele Menschen empfinden ihre hohe Sensibilität als Belastung und als chronische Überforderung. Je mehr sich HSP oder ihre Angehörigen (z.B. Eltern hochsensibler Kinder) mit diesem Wenesmerkmal beschäftigen, umso stärker werden die vielfältigen positiven Aspekte der Hochsensibilität wahrgenommen. Im besten Fall wird dieser Wesenszug schließlich als Bereicherung empfunden.

 

*Das Kürzel 'HSP' kam ursprünglich aus dem Englischen, und steht dort für 'Highly Sensitive Person'. Dieser Begriff wurde Mitte der neunziger Jahre durch Frau Dr. Elaine Aron geprägt und hat sich seither bei Psychologen, Therapeuten und Neurologen etabliert.


Hochsensible Kinder

Ob in der Kita oder Schule: Für hochsensible Kinder ist der Alltag oft nur schwer auszuhalten.

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Hochsensible Erwachsene

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