Die Corona-Angst

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Anm. (05.04.2020): Dieser Blog-Artikel entstand am 17. März 2020, daher sind die beschriebenen Beobachtungen in dieser dynamischen Entwicklung z.T. nicht mehr aktuell. Die beschriebenen Grundmuster der Angst haben hingegen an Aktualität nichts eingebüßt. 

Das neuartige Corona-Virus (die korrekte Bezeichnung lautet SARS-CoV-2) verbreitet sich weltweit - und verändert unser aller Leben.

 

Die Regierungen von Bund und Ländern haben drastische Maßnahmen angekündigt, bzw. schon umgesetzt und doch stehen wir erst ganz am Anfang. Dass diese Entwicklung Angst auslöst ist natürlich verständlich, wie manche Menschen mit dieser Angst umgehen, ist jedoch schwer erträglich.

 

Immer noch nehmen viele Menschen das neuartige Virus scheinbar nicht ernst (oft mit der Begründung, dass an einer Grippe ja jedes Jahr mehr Menschen sterben würden als bislang an SARS-CoV-2). Das ist zwar richtig, aber die Betonung sollte dabei auf dem Wort "bislang" liegen. Denn -wie gesagt- wir stehen gerade ganz am Anfang der Entwicklung.

 

Am Wochenende konnte man beobachten, dass nicht wenige Menschen sämtliche Warnungen ignorieren und mit scheinbarer Coolness so tun, als wäre alles wie immer. Das ist ein wenig so wie das sprichwörtliche Pfeifen im dunklen Wald. Die Angst ist (bewusst oder unbewusst) da, aber man versucht sie durch laute Aktivitäten zu "übertönen". Pfeifen im Walde ist natürlich eine ziemlich blöde Strategie - denn es ist nicht nur wirkungslos, sondern lockt im Zweifelsfall genau die finsteren Gestalten an, vor denen man sich fürchtet. Und so schützt das Ignorieren der Experten-Empfehlungen vor der Infektion mit dem Corona-Virus natürlich auch nicht. Im Gegenteil: Die Ansteckungsgefahr steigt (wenig überraschend) überproportional an, wenn man sich auch jetzt noch in Gruppen trifft oder gar Corona-Parties feiert. 

 

Die andere Form von Angst macht sich derzeit vor allem in Supermärkten bemerkbar: Da werden schier unglaubliche Mengen an Konserven, Mehl, Nudeln und vor allem Klopapier einkauft. "Haben ist besser als brauchen", lautet die dümmliche Erklärung für solche Hamsterkäufe. Es ist die Angst davor, dass es in den nächsten Tagen nichts mehr zu kaufen gäbe. Anders gesagt: Gerade die Angst vor leeren Regalen sorgt für leere Regale. Und damit pflanzt sich die Angst fort: die nächsten Einkäufer sehen, wie wenig nur noch in den Regalen ist und geraten nun ebenfalls in Panik. Angst als Motor vor dem, wovor man Angst hat...

 

Und nun horten ängstliche Menschen massenhaft Lebensmittel. Ihnen kann im Falle einer Zuspitzung der Situation vermeintlich nichts mehr passieren, denn sie haben schließlich für sich vorgesorgt. Dass andere Einkäufer momentan warten müssen, bis die Läden wieder beliefert werden, spielt für diese Menschen keine Rolle. Dieser Egoismus ist vergleichbar mit dem der Eltern, die ihre Kinder mit dem SUV bis vors Schultor fahren, damit sie auch ganz sicher in der Schule ankommen - und mit diesem Verhalten eben andere Kinder gefährden.* 

 

Beiden Ausdrucksformen ist die Rücksichtslosigkeit gegenüber Anderen gemein - und die absolute Wirkungslosigkeit gegen die Ursachen der Angst. Denn sowohl "Pfeifen im Walde" als auch "Hamsterkäufe" offenbaren letztlich nur die völlige Unfähigkeit, sich mit den Auswirkungen des Corona-Virus auseinanderzusetzen. Lösen können sie keine der kommenden Herausforderungen. 

 

Wird SARS-CoV-2 unser Leben dauerhaft verändern? Ganz sicher.

Wird es noch weitere und härtere Einschränkungen geben? Auch ganz sicher.

Wird es massive Einbrüche in der Wirtschaft geben? Ebenfalls ganz sicher. 

 

Was in den nächsten Wochen und Monaten auf uns zukommt, können wir zu dieser Stunde vermutlich nicht mal erahnen. Es ist völlig in Ordnung, Angst zu haben. Aber was genau ist eigentlich Angst? Wovor haben wir Angst? Und: Warum haben wir Angst?

 

Es gibt die verschiedensten Formen der Angst (und ebenso viele variantenreiche Gründe dafür), aber in der deutschen Sprache differenzieren wir diese eigentlich ganz unterschiedlichen Emotionen nicht weiter.

 

So ist eine diffuse Zukunftsangst etwas ganz anderes, als die Angst vor einer konkreten Gefahr. Ähnlich wie Tiere, die Gefahren „wittern“, verfügen auch wir Menschen über ein hochsensibles Alarmsystem. Leider haben wir verlernt, den Signalen unseres Körpers zu vertrauen. So sagen Opfer von Verbrechen erstaunlich häufig aus, dass sie ein „mulmiges Gefühl“ gehabt hätten, dem aber keine weitere Beachtung geschenkt haben. 

 

Angst ist immer ein wichtiger Hinweis der Psyche (meist des Unterbewusstseins), den man nicht einfach ignorieren und als lästig abtun sollte. Wohl jeder kennt die physischen Symptome, welche die psychische Angst häufig begleiten: Schweißausbrüche, kalte Hände, Gänsehaut oder ebene auch ein mulmiges Gefühl im Magen. Sicher sind diese Symptome nicht angenehm, aber unser Körper setzt uns nie grundlos unangenehmen Gefühlen aus.

 

Jedes Signal unseres Körpers hat einen Sinn. Für Mediziner und Naturheilkundler, die sich mit Psychosomatik beschäftigen, ist die Missachtung der Botschaften von Körper und Seele eine der wesentlichen Ursachen von Krankheiten.

 

Das heißt: Nicht Angst an sich macht krank, sondern die falsche Deutung oder das Ignorieren von Angst können im schlimmsten Fall gesundheitliche Konsequenzen haben. Die bereits erwähnte Angst vor unmittelbaren Gefahren sollte man immer ernst nehmen. Wenn Dir eine innere Stimme im konkreten Fall sehr nachdrücklich von etwas abrät - dann lass es einfach sein.

 

Etwas anderes sind da schon die diffusen Ängste, die uns das Leben schwer machen können, so wie jetzt im Falle des Corona-Virus. Diese diffuse Angst frisst einen langsam aber unaufhaltsam auf, obwohl es für diese Angst keine unmittelbare Ursache gibt. Denn auch jetzt sind wir (sofern wir nicht zur Gruppe der gefährdeten Personen gehören) nicht konkret bedroht. 

 

Meine Großmutter sagte immer: "Wenn Du die Umstände nicht ändern kannst, musst Du Deine Einstellung ändern." Mit dem Corona-Virus werden wir in den nächsten Wochen und Monaten leben müssen. Wir werden damit leben müssen, dass unser Wirtschaftssystem erhebliche Einschränkungen verkraften muss. Wir selbst werden uns vermutlich wirtschaftlich einschränken müssen, unser Konsumverhalten ändern. An dieser Situation können wir nichts ändern, insofern müssen wir lernen, mit dieser Situation umzugehen. Angst ist dabei der schlechteste Weg.

 

Gewiss, für manche Menschen mögen die kommenden stillen Wochen des Konsumverzichts zunächst schwierig werden, denn oft ist Konsum lediglich eine Ablenkung. So bietet die Corona-Stille die Chance, sich intensiver mit sich selbst zu beschäftigen, z.B.: 

 

Welche Ziele und Wünsche habe ich wirklich im Leben?     

Was ist mir wirklich wichtig?

Was wollte ich schon immer mal unbedingt machen, habe mich aber bis jetzt nicht getraut?

Was ist der Sinn meines Lebens? Warum bin ich hier?

 

Jede Krise ist auch eine Chance, jedes Ende ein neuer Anfang! Und so bietet auch das Corona-Virus die Möglichkeit, unser Leben neu zu definieren und neu auszurichten.

Und ganz nebenbei: Der Natur ist das Virus egal. Nach einem nassgrauen Winter erneuert sie sich gerade wieder und zeigt ganz deutlich: Es wird Frühling. Und der lässt sich ganz ohne Angst bei einem Achtsamkeits-Spaziergang mit allen Sinnen genießen...

 

 

 

 

* Laut mehrerer Studien aus den USA und der Schweiz ist das (unbewusste) Hauptmotiv für die Anschaffung eines SUVs Angst vor der Zukunft. Die Größe und Höhe des Fahrzeugs entkoppelt die Fahrzeuginsassen vermeintlich von der als bedrohlich empfundenen Außenwelt und gibt vermeintlichen Schutz.   

 

(C)2020 T,xt: Arne Salig / Foto: Pixabay 


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Wirksame und leicht umsetzbare Tipps zum Umgang mit den wirtschaftlichen und sozialen Folgen des Corona-Virus.
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