5 Regeln für den Umgang mit hochsensiblen Kindern

Hochsensible Kinder können -gerade in den ersten Lebensjahren- eine Herausforderung für ihre Eltern sein. Viele Eigenheiten zehren an den Nerven, denn Kinder können mit ihren hochsensiblen Besonderheiten noch nicht umgehen. 


Da Hochsensibilität keine Krankheit sondern ein Wesenszug ist, gibt es dementsprechend auch keine Therapien oder gar Medikamente. Es gibt aber ein paar einfach zu befolgende Regeln, die den Umgang mit der Hochsensibilität des Kindes im Alltag deutlich leichter machen.

 

1. Verständnis & Akzeptanz

 

Allzu leicht orientiert man sich nur an der Norm und weniger an den individuellen Fähigkeiten des Kindes. Wenn man aber sein Kind in eine Richtung erziehen will, die es auf Grund seiner Persönlichkeit gar nicht erfüllen kann, führt dies mit vermutlich zumindest zu schweren Selbstzweifeln, im schlimmsten Fall gar zu psychischen Störungen. Daher ist die allerwichtigste Sicherheit, die Sie Ihrem Kind geben können: Zeigen Sie ihm immer wieder (gerade auch in schwierigen Momenten) mit aller Deutlichkeit und aller Liebe. 

Du bist gut so, wie Du bist!

Sie können Ihr Kind am besten unterstützen, indem Sie sein Anderssein akzeptieren. Vergleichen Sie es daher auf keinen Fall mit anderen Kindern. Der gut gemeinte Rat „Die anderen Kinder machen es doch auch gerne“ sorgt nur für zusätzlichen Druck. Wenn Ihr Kind (insbesondere nach der lauten Schule oder Kita) das Bedürfnis nach Ruhe, Alleinsein und kreativen Spielen hat, dann ist das völlig in Ordnung.

 

2. Kritik an der Handlung, nicht an der Person

 

Natürlich haben Sie einen Erziehungsauftrag, und es wird sich dabei nicht vermeiden lassen, dass Sie Kritik üben und Grenzen setzen müssen. Aber wenn Sie mit Ihrem Kind schimpfen müssen, dann kritisieren Sie bitte immer nur das, was Ihr Kind macht, aber niemals, was es ist. Das heißt, es wird keine Kritik an der Persönlichkeit, sondern nur am Verhalten des Kindes geübt.

Also niemals: „Du bist nicht gut!“

Sondern: „Das, was du getan hast, war nicht gut!“

Eine solche Formulierung ist schon sehr direkt und hart, deswegen sollte sie nur dann verwendet werden, wenn es um wirklich gravierende Themen geht. Macht Ihr Kind hingegen einfach nur mal etwas Blödsinn, der Sie nervt, sollte die Kritik mit einer Ich-Botschaft versehen sein: „Mich stört, was du getan hast, weil ich finde, dass…“

Der Unterschied zwischen Kritik an der Person (oder auch an ihren Fähigkeiten) und der Kritik am Verhalten ist immens wichtig, denn er prägt das Selbstwertgefühl des Kindes. Wenn ein Kind immer wieder zu hören bekommt, dass es schlecht ist, wird seine Seele daran leiden oder gar zerbrechen. Ganz anders wirkt es dagegen, wenn man seinem Kind sagt: „Du weißt, ich habe dich lieb. Aber was du gerade gemacht hast, war einfach nicht in Ordnung!“ Aus einer solchen Kritik kann das Kind lernen, ohne dass dadurch sein Selbstvertrauen leidet.

 

3. Liebevolle Konsequenz

 

Warum halten sich Kinder nicht an die gesetzten Regeln? Es liegt meist an der Inkonsequenz der Eltern.

Alle Kinder brauchen Regeln. Für hochsensible Kinder gilt das ganz besonders. Was sie darüber hinaus benötigen, sind klare verbindliche Strukturen. 

Das heißt für Ihren Alltag, dass Sie diese Strukturen und Regeln selbst konsequent vorleben müssen. Für Ihr Kind sollten Sie der „Fels in der Brandung“ sein: verlässlich sowie Halt und Sicherheit bietend. 

Insofern nötigt Ihnen dieses Thema ganz sicher ein hohes Maß an Selbstdisziplin ab, die sich aber auch auf Ihre eigene Lebensqualität spürbar positiv auswirken sollte.

Regeln müssen verbindlich sein, sonst verdienen sie diese Bezeichnung nicht. Sie müssen so klar formuliert sein, dass alle Beteiligten genau wissen, worum es geht. Regeln müssen außerdem verlässlich sein. Was heute noch gut und richtig ist, kann morgen nicht plötzlich falsch sein - und umgekehrt.

Ihr Kind sollte sich hundertprozentig auf Sie verlassen können. Es muss ganz klar wissen, was richtig und was falsch ist. Wenn Sie heute so, morgen anders und übermorgen noch mal anders entscheiden, verliert Ihr Kind seine Orientierung. 

Zur Selbstdisziplin gehört auch, in Konfliktsituationen bestmöglich die Ruhe zu bewahren. Schwierigkeiten mit der Hochsensibilität des Kindes (Verhalten zu Hause, Probleme in der Kita oder Schule) können sehr belastend sein und schon mal zum Streit in der Familie führen. Geben Sie ihrem Kind aber bitte nie die Schuld für Konflikte in der Familie!

 

4. Schaffen Sie feste Strukturen

 

Genauso wichtig wie Regeln sind klare Strukturen. Neben den bereits erwähnten gemeinsamen Ritualen gehört für hochsensible Kinder ein klar strukturierter Alltag zu den Dingen, die Sicherheit geben und damit einen wichtigen Anker der Stabilität bilden.

Dem Bedürfnis von hochsensiblen Kindern nach ruhigem Ausgleich können Sie als Eltern ganz maßgeblich dadurch nachkommen, dass Sie den Terminkalender Ihres Kindes nicht bis zum Anschlag füllen. Ihr Kind braucht seine Auszeiten!

Schaffen Sie Ihrem Kind genügend zeitliche Freiräume zur Regeneration. Wenn Ihr Kind eher zurückhaltend und kontaktscheu ist, tun Sie ihm keinen Gefallen, wenn Sie es trotzdem zu einer Gruppenaktivität anmelden, damit es dort Freunde findet. Im Gegenteil schaffen Sie damit eine zusätzliche Belastung. Bei vielen hochsensiblen Kindern haben sich statt Gruppensport eher Einzel- oder Kampfsportarten bewährt.

Wenn Ihr Kind gerne ein Musikinstrument lernen oder in einen Kunstkurs gehen möchte: Wundervoll! 

Aber lassen Sie bei allen Aktivitäten immer noch ausreichend Raum für Freizeit, also Ruhe- oder Rückzugszeit im Sinne von wirklich freier Zeit.

 

5. Lassen Sie Ihr Kind ein Kind sein

 

Kinder sollten auch unbedingt Kind sein dürfen: Also Quatsch machen, herumalbern und unbeschwerten Spaß haben, Dinge entdecken, neugierig sein - und dabei auch mal auf die Nase fallen.
Kinder werden heutzutage viel zu oft als kleine Erwachsene behandelt. Bereits im Kindergarten- und Vorschulalter haben sie oft ein derartig strammes und volles Programm, dass einem schwindelig werden kann. Hier ist weniger definitiv mehr! Was nützt es, wenn Ihr Kind bereits zur Einschulung perfekt Englisch spricht? Wenn es virtuos Geige spielt, aber innerlich am ständigen Druck zerbricht und spätestens im Erwachsenenalter nur noch mit Hilfe von Therapien oder Psychopharmaka durchs Leben kommt?

Lassen Sie Ihr Kind Kind sein und überfordern Sie Ihr Kind nicht, indem Sie es überfördern.

Und lassen Sie Ihr Kind auch mal unangenehme Dinge und Situationen aushalten. Wenn es wirklich nötig ist, stellen Sie sich natürlich schützend vor Ihr Kind, aber nicht immer sofort und nicht bei jeder Kleinigkeit!

Ihr Kind muss schließlich für das Leben stark werden - und das lernt es nicht, wenn die Eltern grundsätzlich alle Konflikte lösen.

 

(C) 2019 Bild & Text: Arne Salig