Bedingungslose Liebe

Viele Menschen suchen nach der bedingungslosen Liebe. Sie ist jedoch ein selten erreichtes Ideal, denn sie bedeutet nicht weniger als: "Ich liebe dich so, wie du bist und egal, was du tust."  Das heißt mit anderen Worten: bedingungslose Liebe ist nicht an Bedingungen geknüpft und stellt keine Forderungen. Wird sie vom Partner, bzw. der Partnerin erwidert, so entsteht die vermutlich intensivste Form von Liebe zwischen zwei Menschen. Liebt nur einer der Partner bedingungslos, besteht hingegen die Gefahr ausgenutzt zu werden. 

 

Welche Gedankenmuster im Unterbewusstsein dafür verantwortlich sind, warum Menschen sich für eine bestimmte Partnerschaft entscheiden, ist dagegen oftmals weit von der Idee der bedingungslosen Liebe entfernt. In tiefenpsychologischen Interviews stachen auf die Frage nach den Gründen für die jeweilige Beziehung drei typische Motive hervor:

 

  • Besitz: Diese Menschen sehen den Partner als Besitz, oftmals haben sie ihn sich tatsächlich „erkämpft“. Formulierungen wie „Du gehörst zu mir“, „Wir gehören zusammen“ oder gar „Du bist mein“ machen den Anspruch an eine solche Beziehung deutlich. Der Partner wird als Bestandteil des Lebens empfunden, der einfach da sein „muss“. Oft findet eine gewisse Bevormundung statt, gelegentlich auch sexuelle Dominanz (wobei diese nicht zwingend etwas mit dem Besitzen wollen zu tun haben muss, sondern auch gleichberechtigt ausgelebt werden kann). Letztlich steht im Hintergrund häufig ein mangelndes Selbstwertgefühl und eine Verlustangst.
  • Status: Hier hat der Partner eine klare Funktion: Er soll den eigenen Status unterstreichen, bzw. den eigenen Status heben. Die kann durch besondere äußere Attraktivität sein (bei Männern ab Mitte 40 häufig mit einer deutlich jüngeren Partnerin), durch den finanziellen Status des Partners oder auch durch den beruflichen Status (Macht macht sexy).
  • Angst: Bei anderen Menschen tritt die Verlustangst offen zu Tage. Sie binden sich eng an den Partner, definieren sich über ihn. „Was wäre mein Leben ohne Dich“ ist eine typische Formulierung. Nicht selten wird der Partner mit „Liebe“ geradezu überschüttet, denn ein Leben ohne ihn können sich ängstliche Partner nicht mehr vorstellen.

Was alle dieser drei Typen gemein haben: Der Partner wird zur Vervollkommnung des eigenen Glücks zwingend benötigt, da sie sich selbst nicht genug sind. Letztlich ist ein mangelndes Selbstwertgefühl und mangelnde Selbstliebe Ursache dafür, dass ein gutes, glückliches Leben über den Partner definiert wird und ausschließlich in einer Partnerschaft möglich scheint.

 

Wenn wir uns ehrlich hinterfragen, warum wir uns wirklich für einen bestimmten Partner entscheiden, werden die meisten Menschen zumindest Anteile einer der drei genannten Persönlichkeitstypen in sich wiederfinden. Was bei Besitz und Status häufig verborgen ist, wird bei der Angst-Partnerschaft offensichtlich. Letztlich wird bei allen drei Motiven die Angst, alleine nicht zu genügen und nicht wertvoll genug zu sein, mit Liebe verwechselt.

 

Fragt man Menschen in westlichen Kulturen danach, was das Gegenteil von Liebe ist, so erhält man sehr oft die Antwort: Hass. Stellt man dieselbe Frage in asiatischen Kulturen, erhält man eine gänzlich andere Antwort. Denn dort hat man erkannt: Das Gegenteil von Liebe ist Angst!

 

Wenn nun in den drei Mustern Angst mit Liebe verwechselt wird, bedeutet es letztlich, dass diese Menschen in Beziehungen leben, die auf dem Gegenteil von Liebe basieren. Und wer tatsächlich meint, das Gegenteil von Liebe sei Hass, hat vermutlich noch nie wirklich geliebt.

 

Bedingungslose Liebe setzt vor allem eines voraus: Bedingungslose Selbstliebe! Das bedeutet nicht weniger, als sich selbst so zu lieben, wie man jetzt ist. In diesem Moment, mit allen Fehlern, mit der eigenen Vergangenheit.

 

 

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Unser Leben ist zwar geprägt ist durch die Vergangenheit -aber das Leben findet immer jetzt statt. Deswegen ist es wichtig, sich von den Schatten der Vergangenheit zu lösen. und sie als Teil dessen zu akzeptieren, was einen als Persönlichkeit ausmacht... Frieden mit dem Vergangenem zu schließen. Wem es gelingt im Jetzt zu leben, wird aufhören, Verlorenem nachzutrauern und zu große Erwartungen an die Zukunft zu haben. Sich selbst zu lieben - ohne Bedingungen und ohne Forderungen - öffnet das Herz für Beziehungen, die auf diesen Werten basieren.    

 

Dann erst ist man in der Lage, Beziehungen ohne Verlustangst zu führen oder besitzen zu müssen. Denn man ist sich selbst genug. Die Partnerschaft ist dann eine wundervolle Erweiterung der bedingungslosen Liebe auf einen anderen Menschen. 

 

(C) Text: 2019 Arne Salig (aus dem Buch "Hochsensibel lieben, das hier vorbestellt werden kann)
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