Advent & Rauhnächte: Zeit zum Loslassen

Für gläubige Christen ist die Adventszeit eine ganz besondere - ist es doch die Jahreszeit, in der die Christenheit sich auf das Fest der Geburt Jesu Christi vorbereitet. Das Wort Advent leitet sich vom lateinischen "adventus Domini" ab, was "Ankunft des Herrn" bedeutet.

 

Für weniger gläubige Menschen mag die Vorweihnachtszeit dagegen vor allem Stress bedeuten. Für drei Tage im Kreis der "Liebsten" muss schließlich jede Menge vorbereitet werden. Denn Weihnachten ist für Viele vor allem ein Fest des Schenkens. Nach dem Motto "viel hilft viel" wird also fleißig eingekauft - ob nun online oder offline.

 

Dabei ist diese Zeit des Jahres, unabhängig vom Glauben, eine Zeit  mit einer ganz besonderen Magie. Am 21. Dezember, dem Tag der Wintersonnenwende, scheint die Sonne so wenige Stunden wie sonst nie. Und andersherum scheint der Mond so lange wie an keinem anderen Tag des Jahres. Dieser ganz besondere Tag war in früheren Zeiten heilig. Ein Tag der Stille und Dunkelheit. Während wir heute zu jedem Adventssonntag eine weitere Kerze entzünden, war es seinerzeit genau umgekehrt. Vier Wochen vor der Wintersonnenwende brannten noch vier Lichter, eine Woche später drei, usw. Bis schließlich am 21. Dezember völlige Dunkelheit herrschte.

 

Wie wäre es den Advent auf diese Weise zu begehen? Eine Zeit der inneren Einkehr? Eine Zeit der Stille? Wie gut ertragen wir Stille überhaupt in dieser lauten Zeit? Sind wir noch in der Lage, mit uns selbst zu sein? Ohne Ablenkung? 

 

Was vom alljährlichen Weihnachts- und Silvester-Trubel ebenfalls überlagert wird, ist der Mythos der Rauhnächte. Je nach Deutung handelt es sich um drei oder zwölf Nächte. Die Herkunft des Wortes ist umstritten, aber sie haben ihren Ursprung wohl in der Differenz zwischen Mondkalender (354 Tage) und dem Sonnenkalender (365, bzw. im Schaltjahr 366 Tage). Nach dem Mondkalender fehlen also ein paar Tage - auch deswegen spricht man von der Zeit "zwischen den Jahren".

 

Es gibt eine Vielzahl an -regional sehr unterschiedlichen- Ritualen zu den Rauhnächten. Manche sind eng verwoben mit christlichen Bräuchen, andere wiederum haben einen mythologischen Ursprung.  

 

Die Rauhnächte eignen sich hervorragend um Belastendes loszulassen und mit einem wirklichen Neuanfang in das neue Jahr zu starten. Für die folgende Übung benötigst Du:

- eine Kerze

- kleine Zettel oder Karteikarten

- einen Stift

- etwas zum Räuchern (Räucherstäbchen, Kräuter, etc. - siehe unten)

 

1. Meditation in Stille
Lösche alle elektrischen Lichter. Zünde eine Kerze an. Begebe Dich in die Stille und schließe die Augen. Höre einfach nur auf Deine Atmung. Lasse das vergangene Jahr geistig vorüber ziehen und betrachte dabei zunächst die schönen Momente, für die Du dankbar bist. Finde für jeden der zwölf Monate mindestens einen solchen Moment.
Öffne Deine Augen und stelle Dir die Frage: Was nehme ich mit in das neue Jahr? Schreibe Dir alle Eigenschaften an Dir, die Du an Dir magst, auf jeweils einen Zettel (es sollten mindestens fünf sein).

Dann stelle Dir die Frage: Was möchte ich zurück lassen? Schreibe alle negativen Gefühle, die Dich im zurückliegenden Jahr belastet haben, ebenfalls auf jeweils einen kleinen Zettel.

 

2. Dem Feuer übergeben
Nimm die Zettel mit den negativen Gefühlen an einen Ort, wo Du sie gefahrlos verbrennen kannst. Das kann ein Kamin sein, in der Feuerschale, etc. Verbrenne jeden Zettel einzeln und verabschiede Dich von dem dazugehörigen negativen Gefühl. 

 

3. Räuchern

Gehe zurück an den Ort, wo Du Deine Meditation begonnen hast. Reinige diesen Ort durch geeignete Räucherstäbchen, Kräuter oder Räucherholz. Höre dazu Musik, die Dir gut tut und genieße die Befreiung von den negativen Gefühlen. Zum Räuchern eignen sich u.a.:

 

Salbei - hat eine starke Reinigungskraft

Weihrauch - bringt Segen und erhöht die Energie

Wacholder - vertreibt negative Einflüsse

Thymian - reinigt und stärkt die Energie
Lavendel - wirkt ausgleichend, beruhigend, stärkend und hat eine desinfizierende und reinigende Wirkung

 

Ich wünsche Dir eine inspirierende, heilsame Zeit "zwischen den Jahren"! Auf Wiedersehen in 2019.

 

(C) 2018 Text: Arne Salig / Bild: Pixabay