Gewohnheitssache

Ob wir wollen oder nicht: Gewohnheiten bestimmen unseren Alltag. Manche machen uns das Leben leichter, andere sind lästig oder schaden uns gar.

 

Stellen wir uns nur einmal vor, unsere morgendliche Routine wäre nicht von Gewohnheiten bestimmt und wir müssten uns tagein, tagaus auf jeden einzelnen Schritt konzentrieren und bewusst überlegen, wie wir vorgehen. Vom Zähneputzen über das Duschen bis hin zur Zubereitung des morgendlichen Kaffees: Würden wir über all diese Tätigkeiten bewusst nachdenken müssen, wäre unser Gehirn schnell überlastet. Und nicht nur das, denn wir würden auch für einfachste Routinen ziemlich viel Zeit benötigen.

 

Gewohnheiten sind also durchaus nützlich und helfen unserem Gehirn, Zeit und Energie zu sparen. 

 

"Zwischen 30 und 50 Prozent unseres täglichen Handelns werden durch Gewohnheiten bestimmt, Informationen ändern daran so gut wie nichts", sagt Bas Verplanken, Professor für Sozialpsychologie an der University of Bath in England. Besonders der letzte Halbsatz dieser Aussage hat es in sich. Denn selbst, wenn wir wissen (Informationen haben), dass bestimmte Gewohnheiten nicht gut für uns sind, sind wir trotzdem nicht (oder nur schwer) in der Lage, diese Gewohnheiten zu verändern.

 

Wie lassen sich unerwünschte Gewohnheiten loswerden?

 

Wenn wir alte Gewohnheiten loswerden wollen, funktioniert das am besten, indem wir sie durch neue Gewohnheiten überlagern. Dazu muss ein neues Verhalten mit dem alten Auslöser verknüpft werden und möglichst gut das gleiche Bedürfnis erfüllen, das bisher mit der alten Gewohnheit befriedigt wurde. Hier ein Beispiel:

 

Ein Mensch hat Langeweile und fühlt sich möglicherweise alleine. Er greift zum Smartphone und surft im Internet oder ist in sozialen Netzwerken unterwegs.
Wenn diese Gewohnheit fest verankert ist, wird dieser Mensch immer, wenn ihm langweilig ist zum Smartphone greifen. Dies lässt sich nicht einfach abstellen. besser wäre es, jedes Mal, wenn das Gefühl von Langeweile auftaucht, etwas Anderes zu machen, beispielsweise einen Bekannten oder Freund anrufen oder in einem Buch zu lesen. Auf diese wird die alte Gewohnheit durch eine neue "überschrieben". 

 

Ähnlich verhält es sich mit dem Thema Sucht, das letztlich eine besondere Form der Gewohnheit darstellt. Eine Sucht ist keineswegs auf Rauschmittel wie Nikotin, Alkohol oder Drogen beschränkt, sondern kann sich vielfältig äußern, z.B. in Koffeinsucht, Spielsucht, Shoppingsucht, Sexsucht, etc. Auch hier gilt es immer dann, wenn der sich der individuelle Auslöser für die Sucht bemerkbar macht ("Ich brauche jetzt eine Zigarette."), eine Ersatzhandlung zu etablieren. Diese Veränderungen brauchen jedoch Zeit.

 

Nur 21 Tage? Wie lange es wirklich dauert, bis man eine neue Gewohnheit etabliert.

 

Der Chirurg Maxwell Maltz führte in den 1950er Jahren verschiedenste plastische Operationen durch und stellte ein interessantes Muster fest: Es dauerte immer mindestens 21 Tage bis sich der Patient an die neue Situation gewöhnt hatte.

 

Diese Erkenntnis veröffentlichte er 1960 in seinem Buch „Psycho-Cybernetics“, von dem mehr als 30 Mio. Exemplare verkauft wurden. In den letzten Jahrzehnten wurde diese Aussage oft fälschlicherweise verkürzt: „Es braucht genau 21 Tage um eine Gewohnheit zu ändern.“ 

 

Tatsächlich ist der Zeitraum zum Etablieren einer neuen Gewohnheit deutlich länger: Im Durchschnitt dauert es 66 Tage, also mehr als 2 Monate, bis eine neue Gewohnheit etabliert ist - so das Ergebnis einer Studie des University College London, die im „European Journal of Social Psychology“ veröffentlicht wurde. Die tatsächliche Dauer kann stark vom Durchschnittswert abweichen, denn sie ist abhängig von der Stärke der alten Gewohnheit, der Testperson und den Umständen abhing. In der Studie variierte die Bandbreite zwischen 18 und 254 Tagen.

 

Coaching und Hypnose haben sich bewährt, um die Veränderung von Gewohnheiten zu erleichtern und den Übergangsprozess zu begleiten.

 

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